Stadt verfasst Resolution zum Erhalt der Logistik-Dienststelle

Sämtliche Anstrengungen, die Verlagerung der Logistik-Dienststelle HNLFOA, angefangen von der Flugblatt- bis zur Unterschriftenaktion waren vergebens. 135 Arbeitsplätze gehen in Grafenwöhr verloren und sollen nach Kaiserslautern beziehungsweise Sembach verlegt werden. Deshalb haben am Montag Bürgermeister Helmuth Wächter sowie zehn seiner Kollegen eine Resolution zum Erhalt der Arbeitsplätze für deutsche Arbeitnehmer unterschrieben.

Dem angeschlossen haben sich auch der Betriebsratsvorsitzende der US-Army Garrison Grafenwöhr Klaus Lehl, der Vorstand der Betriebsvertretung der Logistik-Dienststelle HNLFOA Wolfgang Dagner, Herbert Marx (Personalratsvorsitzender BW-DL-Zentrum) sowie Karlheinz Winter vom Ver.di Bezirk Oberpfalz.

Seit einigen Jahren wird die Infrastrktur des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr aufgrund der Ansiedlung der neuen Brigade erweitert und durch den Zuzug von amerikanischen Soldaten und ihren Familienangehörigen ausgebaut und fortentwickelt. Des weiteren wurden auch vorhandene Schießbahnen modernisiert, um für die Herausforderungen und Aufgaben der Zukunft gerüstet zu sein. “Die Bürgermeister der Übungsplatzrandgemeinden stehen zum Truppenübungsplatz und begrüßen diese Maßnahmen einhellig, auch wenn damit gewisse Belastungen verbunden sind.

“Mit dem Ausbau verknüpft war jedoch auch die Zusage von der US-Seite, dass auf jeden Fall das Kontingent der deutschen Arbeitsplätze gehalten, wenn nicht sogar ausgebaut wird”, so heißt es in der Resolution. Beklagt wird darin auch, dass Umorganisationen von Dienstposten auf Schießbahnen durchgeführt werden sollen. Zudem werden vermehrt Aufträge an US-Kontraktfirmen vergeben, anstatt Neubesetzungen durch deutsche Arbeitnehmer zu berücksichtigen. Somit fällt das bisherige Verhältnis von deutschen Arbeitnehmern mit 70 Prozent gegenüber amerikanischen Arbeitnehmern mit 30 Prozent immer mehr zu Ungunsten der deutschen Arbeitnehmer aus. Dieses bisher “ungeschriebene” Gentleman-Agreement sollte als Vorgabe im NATO-Truppenstatut fixiert werden. Deshalb gibt es eine klare Forderung in der Resolution: Ein großes Kontingent an Arbeitsplätzen für die deutschen Beschäftigten auf dem Übungsplatz seitens der US-Armee soll in Zukunft zur Verfügung gestellt werden!

Den schleichenden Stellenabbau sowie gleichzeitige Nachbesetzung freiwerdender Arbeitsplätze durch US-Beschäftigte kann – so wie derzeit praktiziert wird – nicht kritiklos hingenommen werden. Diese Personalverschiebung werden sicherlich auch dazu beitragen, dass das bisher gute deutsch-amerikanische Verhältnis getrübt werden könnte. Die Unterzeichneten haben auch Verständnis für Kosteneinsparungen bei der US-Armee, können aber nicht nachvollziehen, dass durch die Verlagerung von Dienststellen Kosten eingespart werden sollen. Im Gegenteil: Die beabsichtigte Verlagerung der Dienststelle HNLFOA würde nach Schätzungen zirka 30 bis 40 Millionen Dollar an zusätzlichen Kosten verursachen, obwohl der US-Armee seit Jahrzehnten hervorragend ausgebildete und zu 100 Prozent motivierte deutsche Arbeitnehmer zur Verfügung stehen.

In der Resolution wird auch auf die Schreiben der Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht und Werner Schieder, der Landtagsabgeordneten Annette Karl und Tobias Reis sowie der Bürgermeister der Gemeinden im VierStädtedreieck und der Gewerkschaft ver.di verwiesen.

Ein offenes, faires und wirkliches partnerschaftliches Miteinander zu allen Fragen der Beschäftigten ist unumgänglich, damit ein vertrauensvolles Zusamemnarbeiten auch in Zukunft möglich ist. Dies ist keine Forderung, sollte jedoch unter Partnern und Freunden selbstverständlich sein. “Die unterzeichneten Gemeinden ersuchen Sie eindringlich, Ihre Strategie zu ändern und die Dienststellen im Truppenübungsplatz Grafenwöhr zu belassen sowie mit deutschem Personal zu besetzen.” Die Resolution ist an Direktorin Diane M. Dewens in Heidelberg gerichtet.

Hintergrund:
“Nach der Verlegung der Brigade wurden 100 bis 200 neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt; die Garrison hat jedoch nur etwa 50 erhalten. Von 1300 Beschäftigten fielen 25 in den letzten drei Monaten dem Personalabbau zum Opfer”, beklagte Betriebsratsvorsitzender der US-Army Garrison Klaus Lehl. 100 Auflösungsverträge sollen in den nächsten Monaten wegen enormen US-Einsparungen folgen. Das momentane Arbeitsverhältnis von deutschen und amerikanischen Arbeitnehmern liege bei 65/35.

“Bei den Schießbahnen stagniert die Personalsituation momentan. Aber es machen sich immer mehr Zivilamerikaner auf den Schießbahnen breit”, informierte Fachgruppenvorsitzender Werner Walberer. “Es ist höchste Eisenbahn, gegen den schleichenden Arbeitsplatzabbau etwas zu unternehmen”, betonte Hans-Martin Schertl, der Bürgermeister von Vilseck. Die Deutschen müssen den Schieß- und Fluglärm sowie den zunehmenden Verkehr erdulden. “70/30 ist ein ungeschriebenes Gesetz, wobei 70 Prozent wirklich Deutsche sein müssen. Sonst ist die Basis für den Truppenübungsplatz verloren!”, betonte Schertl. “Es werden gewisse Einsparungen eingesehen, die aber nicht zu Lasten der deutschen Arbeitnehmer gehen dürfen. Das Verhältnis muss stimmen!”, forderte Bürgermeister Helmuth Wächter.

Zurück zu Aktuelles